Erfahrungen mit Arbeit neben der Rente: So hab ich mir das aber nicht vorgestellt …

Ich bin seit 2017 in Altersrente mit Abschlägen, seit 2020 Vollrentnerin mit der Hoffnung, nun 2021 im Rahmen der neuen Grundrente einen finanziellen Zuschlag zu erhalten.

Vorweg: Ich finde, der Verein „Mäuse für Ältere“ ist unbedingt eine Unterstützung, es schafft Öffentlichkeit, man ist nicht allein und es kann eventuell ein Bollwerk gegen Altersarmut sein, besonders für uns Frauen!!

Hier meine Jobs seit 2017:

Jobs im Einzelhandel:

Bekleidungskette, Arbeitgeber war ein Dienstleister: 2 mal im Weihnachtsgeschäft: Falten von Textilien, Etikettieren bzw. Reduzieren auf der Verkaufsfläche. Alles hat zwei Seiten: Positive Wertschätzung für die harte Arbeit der Verkäuferinnen körperlich und auch sozial: Textilien sind schwer und der Kunden-Andrang ist gross!!!

Jobs im kulturellen Sektor:

  • Saisonarbeit auf einer nordfriesischen Insel im einzigen Inselkino mit Zweimann-betrieb: Kartenverkauf, Popcorn und Eis (mein Kollege war gerade 80 Jahre) Fazit: Seeklima und Erholung gut, finanziell +/-0 (wegen Wohnkosten)
  • Kasse, Kartenverkauf, Einlasskontrolle bei der „Pink Floyd Exhibition“ im Dortmunder U über Weihnachten/Sylvester, Arbeitgeber eine Ticketfirma, die studentischen Kolleginnen waren firm in Digitalität, der Umgang eher schwierig, Konkurrenz mit einem älteren Kollegen – Solidarität unter Älteren ist nicht selbstverständlich! Konfrontation mit der Menge der Älteren in den langen Warteschlangen zum Einlass. Erkenntnis: der demographische Wandel ist da!!! Insgesamt war es ein gutes Arbeiten. Ich konnte den Umgang mit Kasse und Geld lernen und da es ein großes Event war, war ich stolz, mitarbeiten zu dürfen.
  • Museumsaufsicht in TZ, Arbeitgeber Herner Sicherheitsfirma. Einsatz in Münster im Naturkundemuseum und Dortmund im Museum Kunst und Kultur zur Jugendstilausstellung, Das war für mich ein gutes Arbeiten: ich bin sehr gerne im Museum und mein Zugang zu kunstgeschichtlichen Themen ist gewachsen. Der Einsatz war mehr aushilfsmäßig, ich konnte dort leider nicht fest bleiben, was ich sehr schade fand.
  • Sommer 2019: Fahrradvermietung und Besucherservice für RuhrDing 2019/Urbane Künste Ruhr, Einsatz in Bochum und Dortmund – Arbeitgeber war ein Dienstleister aus Mülheim. Insgesamt ein gutes Arbeiten: Die Zusammenarbeit mit Vertretern studentischer Kultur hat mich bereichert, aber auch um mein eigenes Fahrrad ärmer gemacht, das konnte eine Studentin gut gebrauchen! Neuere Kunst war allerdings nicht so mein Ding! Insgesamt eine gute Erfahrung.
  • Arbeit im Betriebsrestaurant, Spülküche und Wäsche, d.h. hauswirtschaftliche Tätigkeit. Positiv war, einen großen Arbeitsanfall in einer Spülküche bewältigen zu können – ich habe selbst nie eine Spülmaschine besessen. Und ich habe große Wertschätzung für all die Frauen, die diese harte Arbeit überall machen: im Altenheim, im Krankenhaus, in Kindertageseinrichtungen und Betreuungseinrichtungen – für wenig Geld und geringe gesellschaftliche Anerkennung.

Fazit: Ich konnte mich jetzt wieder etwas „bekrabbeln“, habe für mich den Wert der Arbeit wieder schätzen gelernt –  auch, weil ich alleine bin ohne Enkel und Familie.

Das Wohlwollen der jüngeren Generation, besonders der jüngeren Männer (auch als Chef) ist nicht selbstverständlich. Das ist eine persönliche Herausforderung, die ich aber jederzeit wieder annehmen möchte.

Durch die zunehmende Digitalisierung gehöre ich auch zu denjenigen, die sich eher abgehängt fühlen bzw. den Aufwand mit der Technik lieber vermeiden.

Zum Schluss: Altersarmut ist eher weiblich …

Ich selbst will nicht aufgeben, bewerbe mich weiter und hoffe auf mehr Mitstreiter/-innen bei „Mäuse für Ältere“ in Dortmund.

Es war eine Hilfe, mich persönlich ordnen zu dürfen durch das Schreiben dieses Berichtes, dafür danke ich ganz herzlich!

Mit ganz lieben Wünschen bzgl. Kraft und Zuversicht an alle in ähnlicher Situation – Angelika Zabel

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Kommentare

4 Replies to “Erfahrungen mit Arbeit neben der Rente: So hab ich mir das aber nicht vorgestellt …”

  1. Ganz herzlichen Dank für Ihren ausführlichen Erfahrungsbericht, liebe Frau Zabel.

    Ich bin sehr beeindruckt, wie vielseitig Sie sind und was Sie alles ausprobiert haben. Und wünsche Ihnen, dass Sie motiviert bleiben und auch weiterhin durchweg positive Erfahrungen machen.

    Also, alles Gute für Sie!

    Herzliche Grüße,
    Beate Dannenberg.

  2. Mein Name ist Wolf Heinze,
    gerade habe ich den Bericht vom „22. 02. 2021 – Erfahrungen mit Arbeit neben der Rente: So hab ich mir das aber nicht vorgestellt …“ gelesen.
    Ich finde das sehr interessant zu lesen.
    Auch ich habe mich nach einem Besuch bei „Mäuse für Ältere“ noch zu weiteren Treffen eingefunden. Dann hatte ich über Mäuse für Ältere einen Fahrzeugüberführungs-Job angenommen. Dieser wurde über die Jobangebote per E-Mail irgendwie interessant für mich. Der Verdienst ist gering und das bei bei großem Zeitaufwand. Die Erfahrungen dafür aber sehr vielfältig und Interessant. Ich mache das inzwischen nur noch Gelegentlich, aus Spaß an der Sache. Jetzt habe ich mich noch einmal Erfolgreich als Immobilienmakler Selbständig gemacht und kann sagen das der Weg dahin mich auch etwas durch „Mäuse für Ältere“ gebracht hat. Schade das wegen Corona nun verschiedene Beratungstreffen nicht mehr wie früher stattfinden. Ich brauche diese zwar nicht unbedingt, jedoch ist es schön da manchmal hinein zu hören und dann das eine andere für sich selbst Gedanklich mit nach Hause zu nehmen.

  3. Liebe Angelika Zabel,
    ich finde Ihren Bericht auch toll – danke! Zur Überschrift habe ich die Frage: Wie haben Sie sich das Arbeiten denn vorgestellt? Oder: was wäre eine ideale Arbeit?
    Viele Grüße,
    Cornelia Sperling

  4. Liebe Mitstreiter,Danke für die Rückmeldungen auf meine Arbeitserfahrungen .
    Wie wünsche ich mir überhaupt meine zukünftigen Tätigkeiten, an dem Punkt
    bin ich nicht ganz klar, weil bisher grösstenteils die aktuellen Möglichkeiten entschieden haben.
    Für mich ist zukünftig wichtig, mehr Abstand zu halten.
    Zwei Prioritäten:
    Nur noch auf 450€ arbeiten und die Arbeitszeiten kompakt halten, damit man der Gefahr vorbeugt, alsSpringer – in Lücken springen- zu müssen. ZeitlicheSelbstbestimmung.
    Sinnstiftende Tätigkeiten suchen-weniger ist mehr,wieder anknüpfen an ältere
    eigeneRessourcen wo man auch den Kopf einsetzten kann-
    mal sehen…
    Gruss von
    Angelika Zabel

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