Ich habe bei den Mäusen schon einige Ideenwerkstätten „Ich suche Ideen für sinnvolle Arbeit – wo finde ich die?“ veranstaltet und möchte aus dieser Erfahrung, mit Blick auf Netzwerke, berichten. Viele Teilnehmende fühlen sich oft allein mit ihren Fragen. Darum nutzen wir in der Ideenwerkstatt die Schwarmintelligenz und geben wertschätzende Rückmeldung zu mitgebrachten Ideen und Fragen. Mit dieser Schatzkiste können alle im Anschluss weiterarbeiten, weil hilfreiche Anregungen und neue Perspektiven mitgenommen werden können.
Gerade in Momenten, in denen wir vor neuen Herausforderungen stehen oder nach Lösungen suchen, können andere Menschen um uns herum zu einer wertvollen Ressource werden. Denn sie bieten Zugang zu anderen Perspektiven, Erfahrungen und Fähigkeiten auf unsere Fragen.
Aber was genau ist ein Netzwerk und wie haben wir darauf Zugriff?
Viele Menschen denken, sie hätten gar kein Netzwerk. Aber das stimmt so nicht. Ein Mensch ist im Laufe seines Lebens Teil verschiedener Netzwerke. Dazu gehören das familiäre Netzwerk, das aus Verwandten und nahestehenden Personen besteht, das soziale Netzwerk mit Freund*innen, Bekannten, Nachbarn oder Kolleg*innen und das berufliche Netzwerk, das Kontakte im Arbeitsumfeld umfasst – auch ehemalige.
Wer sich im eigenen Netzwerk umhört, entdeckt oft Menschen, die ähnliche Situationen bereits gemeistert haben oder Kontakte vermitteln können. Ein Gespräch im Freundeskreis kann neue Denkanstöße liefern, ehemalige Kolleg*innen kennen vielleicht passende Möglichkeiten oder Vereinsmitglieder haben Tipps, wie wir unsere Ziele anders erreichen können.
Wissenschaftliche Studien belegen, dass Menschen viel häufiger Unterstützung erhalten, wenn sie aktiv darum bitten. Forschungen aus der Sozialpsychologie zeigen, dass das sogenannte „Um-Hilfe-Bitten“ für das Umfeld nicht belastend ist. Menschen unterschätzen stark, wie bereitwillig andere sind, Hilfe zu leisten.
Ein Grund dafür ist der soziale Wunsch, anderen nützlich zu sein und Teil einer Gemeinschaft zu bleiben. Wenn wir unser Anliegen klar formulieren, schaffen wir Anknüpfungspunkte und geben anderen die Möglichkeit, sich wertvoll einzubringen. So können auch diejenigen glänzen, die helfen. Eine klare Win-Win-Situation.
Meine Erfahrung ist: Wer offen mitteilt, was gebraucht wird, aktiviert nicht nur praktische Unterstützung, sondern stärkt auch das Gefühl von Verbundenheit und Vertrauen innerhalb des Netzwerks. Wer gezielt nachfragt, erhält häufiger konkrete Tipps, Empfehlungen oder Kontakte – und stößt dabei oft auf neue Ideen und Ansätze, die sonst verborgen geblieben wären. Sich mitzuteilen ist somit nicht nur ein Zeichen von Mut, sondern auch eine effektive Strategie, um gemeinsam weiterzukommen.
So arbeiten wir auch in der Ideenwerkstatt
Wir ermutigen uns, gegenseitig Fragen zu stellen und helfen uns dabei, hilfreiche Antworten zu geben. Ohne dass wir schon wissen, wie die Lösung ist. Und wir bilden dabei gleich ein temporäres Netzwerk, denn es ist inspirierend, auch die Fragen der anderen kennenzulernen.
Birgit F. Unger, Moderation – Coaching – Beratung